2020-1 Jehovas Zeugen

Verboten und Verfolgt.

Jehovas Zeugen im KZ Ravensbrück und in Haftanstalten der DDR

 

Am 21. Januar 2020 um 19 Uhr wird Falk Bersch im Stadtarchiv sein Buch  „Aberkannt! Die Verfolgung von Jehovas Zeugen im Nationalsozialismus und in der SBZ/DDR“ vorstellen.

 

Vom 28. Januar bis zum 28. Februar 2020 wird in der Gerichtslaube im Wismarer Rathaus die Wanderausstellung „Jehovas Zeugen im KZ Ravensbrück und in Haftanstalten der DDR“ gezeigt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und wurde 2018 erstmals in der Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt. Sie widmet sich Zeuginnen und Zeugen Jehovas (auch als Bibelforscher bekannt), die im NS-Staat unter anderem im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und später in der DDR erneut verfolgt waren. Von völkischen und nationalsozialistischen Kreisen wurden die Bibelforscher bereits in den 1920er Jahren als „jüdische Bolschewisten“, „Volksverräter“ und „Kommunisten“ verunglimpft. Rund 2.800 deutsche Zeuginnen und Zeugen Jehovas sowie 1.400 aus den besetzen Ländern wurden als „Schutzhäftlinge“ der Gestapo in die Konzentrationslager deportiert. Im KZ Ravensbrück waren bis zur Befreiung 782 weibliche und 218 männliche Bibelforscher inhaftiert.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die verfolgten Zeugen Jehovas in der Sowjetischen Besatzungszone als Opfer des Faschismus (OdF) anerkannt. Unmittelbar nach Gründung der DDR warf man ihnen jedoch „Kosmopolitismus“, „Boykotthetze“ und „Spionage für den Westen“ vor. Die Religionsgemeinschaft wurde verboten, ihre Mitglieder verloren ihren Status als OdF und viele von ihnen wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR (1962) wurden Zeugen Jehovas wegen der Totalverweigerung des Wehrdienstes vor Gericht gestellt und verurteilt. In der Bundesrepublik wurden sie zwischen 1960 und 1969 ebenfalls verurteilt, wenn sie auch den Ersatzdienst ablehnten.

 

Auch in Wismar waren Zeuginnen und Zeugen Jehovas unter beiden deutschen Diktaturen Verfolgungen ausgesetzt. Insgesamt vier Stolpersteine erinnern derzeit an von den Nationalsozialisten ermordete Angehörige der Religionsgemeinschaft. Einige Zeugen Jehovas waren sowohl in der NS-Zeit als auch in der DDR inhaftiert, manchmal in der gleichen Haftanstalt. So der Wismarer Ernst Hartig, der 1937 aufgrund des Besitzes verbotener christlicher Literatur, der Verweigerung des Hitlergrußes und des Kriegsdienstes zu neun Monaten Haft verurteilt wurde, die er in Dreibergen-Bützow verbüßte. In der DDR verhaftete die Staatssicherheit im Rahmen ihres Vorgehens gegen die Zeugen Jehovas auch ihn und Ernst Hartig erhielt 1954 eine sechsjährige Zuchthausstrafe. 1958 kam er im Bützower Gefängnis auf bisher ungeklärte Weise ums Leben.

 

Die Ausstellung wird am Montag, dem 27. Januar 2020 um 17.00 Uhr im Wismarer Rathaus zusammen mit der im Jahr 2016 von Schülern der Projektgruppe „Kriegsgräber“ der Europaschule Rövershagen erarbeiteten Ausstellung „Jehovas Zeugen in beiden Diktaturen in Mecklenburg-Vorpommern“ eröffnet. Die Schülerausstellung stellt ebenfalls vom NS-Staat und der DDR verfolgte Angehörige der Religionsgemeinschaft vor, legt den Fokus jedoch noch mehr auf Schicksale aus der Region.

 

Zur Einführung findet am Dienstag dem 21. Januar 2020, 19.00 Uhr im Wismarer Stadtarchiv eine Veranstaltung zum Thema statt. Falk Bersch wird an diesem Abend sein Buch „Aberkannt! Die Verfolgung von Jehovas Zeugen im Nationalsozialismus und in der SBZ/DDR“ vorstellen.