2017 - 3 Buch- und Filmpremiere

Doppelte Buch- und Filmpremiere „Zeitzeugen Flucht“ im Filmbüro

 

Am 29. März um 19 Uhr lädt der Wismarer Archivverein zu einer ‚doppelten‘ Buch- und Filmpremiere in den Kinosaal des Filmbüros MV in der Bürgermeister-Haupt-Straße 51–53. Der Eintritt zur Filmvorführung und Buchpremiere ist frei.

Ein großes – vielleicht das bisher größte – Projekt des jungen Fördervereins. Eine wissenschaftliche Aufbereitung der Lebensumstände der Menschen in Wismar am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei wurden Zeitzeugen gerade zur damaligen Flüchtlingssituation befragt. Entstanden sind eine zweibändige Chronik und ein Film, möglich gemacht dank Förderungen der Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG, der Hansestadt Wismar und der Wohnungsbaugesellschaft mbH der Hansestadt Wismar sowie durch viel ehrenamtliches Engagement. Eineinhalb Jahre haben Schüler der 9. Klasse des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums mit professioneller Hilfe der Filmemacher Roger Pitann und Klaus-Dieter Gralow und
unter Begleitung ihres Geschichtslehrers Frank Peter Reichelt Zeitzeugen befragt – Menschen, die damals als Flüchtlinge nach Wismar kamen, ähnlich alt wie die Jugendlichen, die sie nun befragt haben.

Im Stadtarchiv wurde vorhandenes Quellenmaterial ausgewertet. Zusammen mit den Interviews der Jugendlichen kommen die Geschichtsforscher auf gut 600 Seiten Material, die auf zwei Buchbände verteilt werden. Wie war die damalige politische Entwicklung, die Integration der Umsiedler, die wirtschaftliche Entwicklung Wismars, die Versorgung mit Nahrungsmitteln? Wie wurden zur damaligen Zeit in Wismar Seuchen bekämpft? Wie stand es um Bildung und Kultur? Dazu kommen Chroniken der Jahre 1945–1949 mit Informationen aus allen Bereichen des Lebens. Cover Teil 1klCover Teil 2kl

In Band II folgen die aktuellen Zeitzeugeninterviews und Erlebnisberichte aus dem Archiv, die nun erstmals abgedruckt werden, darunter Berichte zur bedingungslosen Kapitulation der Stadt, der Bericht eines Soldaten der Roten Armee zum Einzug in Wismar, Berichte über Erschießungen und Häftlingszüge durch die Stadt, außerdem ein Bericht der ehemaligen Stadtarchivarin Anneliese Düsing über die letzten Kriegstage.

Unbeabsichtigter ‚Vater‘ des Projekts war Bürgermeister Thomas Beyer mit einer Anfrage an den Wismarer Stadtarchivar Dr. Nils Jörn.

Dr. Jörn: „Als er im August 2015 wissen wollte, wie viele Einwohner Wismar in bestimmten Stichjahren hatte, waren wir beide erstaunt über die hohe Anzahl von Flüchtlingen, die 1945/46 in Wismar aufgenommen wurden. Das zeigte uns, dass dieses Problem 60, 70 Jahre später aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden ist – die einstmals Fremden sind zu Wismarern geworden, sie sind offenbar tatsächlich integriert. Aus dieser Erkenntnis erwuchsen viele Fragen: Wie gelang das damals? Wie waren die Bedingungen in Wismar am Ende des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach? Und, da seit 2015 wieder einmal Flüchtlinge in die Stadt kamen (und kommen), kann man aus dem Handeln unserer Vorgänger etwas lernen? Kann man die heutigen Wismarer zumindest dafür sensibilisieren, dass unsere Vorgänger einst ganz andere Herausforderungen gemeistert haben?“

Zur Premiere werden die Jugendlichen und die Zeitzeugen zusammen mit geladenen Gästen und interessierten Wismarern im Filmbüro erwartet. Buch und DVD gibt esdanach im regionalen Buchhandel und im Stadtarchiv zu erwerben.